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Liebe Leser,
hier findet ihr Einträge rund um die Neumühle und NeuSehLand. Dieser Blog ist als virtuelles Tagebuch für alle gedacht, die das Zentrum bereits kennen, als Ergänzung zu unserem Newsletter.
Wer es aber noch nicht kennt, lese bitte den Text über diesem Willkommenstext und http://www.meditation-saar.de/ , sowie http://www.neusehland-saar.de/


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Mittwoch, 10. Juni 2009

Aus dem Tagebuch der Anne Frank

Wort und Musik - Lesung aus dem Tagebuch der Anne Frank
Banner Anne Frank-Ausstellung, Merzig
Am vergangenen Freitag fand in unserer traditionsreichen Meditationshalle eine musikalische Lesung statt. Sie war Teil des Begleitprogramms der Anne Frank Ausstellung in der Stadthalle Merzig, welche von der Anne Frank Stiftung, der Aktion 3.Welt Saar und der christlichen Erwachsenen Bildung (CEB) Merzig veranstaltet wird. Die Neumühle ist ein Ort, der alle Menschen einlädt, gleich welcher Religion und ethnischer Herkunft, wichtig ist hier nur, dass die Menschen, die kommen andere ebenso wertschätzen. In dieser Gesinnung ist es uns ein Anliegen gewesen, einen Beitrag zur Ausstellung über Anne Frank zu leisten.



Jutta Hans, Mitarbeiterin im SR und in ihrer Freizeit Sängerin und Sprecherin las aus dem Tagebuch der Anne Frank. Sie wurde musikalisch begleitet von Klezmer-Improvisationen des Klarinettisten Helmut Eisel, der nicht nur im Saarland, sondern auch international als renommierter Klezmer-Musiker gilt. Als roten Faden wählte Frau Hans führ die Lesung die Tagebucheintragungen für Peter, der mit im Hinterhaus versteckt war und in den sie sehr verliebt war. Der Fokus auf diese Liebesgeschichte warf neue Gedanken auf, erschuf ein weiteres Bild zur Person Anne Frank. Es war sowohl erheiternd und amüsant, wie tiefsinnig. Der menschenverachtende Hintergrund der Naziunterdrückung und -verfolung lag dennoch wie ein schwerer Schatten auf allem, was aus dem Tagebuch gelesen wurde. Mit diesem Hintergrund berührte es natürlich um so mehr, wenn Anne Frank über das Glück schreibt. Dies zeugt, welch reife Persönlichkeit diese junge Frau war. Ein Vorbild für jeden Menschen, gleich welchen Alters. So schreibt sie:
"P.S. Gedanken: An Peter

Wir vermissen hier viel, sehr viel, und auch schon lange. Ich vermisse es auch, genau wie du. Du musst nicht denken, dass ich von äußerlichen Dingen spreche, damit sind wir hier hervorragend versorgt. Nein, ich meine die inneren Dinge. Ich sehne mich, genauso wie du, nach Freiheit und Luft, aber ich glaube, dass wir für diese Entbehrungen reichlich Entschädigung bekommen haben. Ich meine innere Entschädigung. Als ic hheute Morgen vor dem Fenster saß und Gott und die Natur genau und gut betrachtete, war ich glücklich, nichts anderes als glücklich. Und, Peter, solange es dieses innere Glück gibt, das Glück über Natur, Gesundheit und noch sehr viel mehr, solange man das in sich trägt, wird man immer wieder glücklich werden.Reichtum, Ansehen, alles kann man verlieren, aber das Glück im eigenen Herzen kann nur verschleiert werden und wird dich, solange du lebst, immer wieder glücklich machen."
Leider wurde die Veranstaltung trotz großer Werbung schlecht besucht. Vielleicht lag es am Termin, vielleicht an Übersättigung oder Gleichgültigkeit des Publikums. Dennoch wurden die Zuhörer, die gekommen waren reich an Eindrücken, Gedanken und Musik vom Feinsten beschenkt und waren tief bewegt. Helmut Eisel verstand es, die Worte von Anne Frank musikalisch zu beantworten, zu vertiefen, ihnen nach zu empfinden, nach zu hören und die nächsten Worte vorzubereiten. Während der Musik konnte man die Worte sacken lassen und sie so tiefer in sich aufnehmen. Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung.
Weiteres unter: http://www.annefrankblog.de/





Montag, 23. März 2009

Ein Appell an unsere Menschlichkeit

TrauerGedanken zum tragischen Vorfall in Winnenden.
In den letzten Wochen war das tragische Ereignis von Winnenden in aller Munde, in allen Zeitungen, in allen Radiosendungen, im Fernsehen, im Internet, zu jeder Zeit, überall. Und nund schreibe ich auch noch ein paar Zeilen dazu. Darf ich das? Sollte ich lieber schweigen. Aber Schweigen kann Todschweigen sein, wir Menschen schweigen oftmals viel zu viel.
Seit vergangenen Samstag, nach der Trauerfeier ist plötzlich mehr Ruhe um diesen Vorfall. Nach dem reißerischen Gebaren der Medien Stille. Eine Stille, die darauf wartet, dass die nächste Katastrophe geschieht, über die dann wieder überall berichtet werden kann, in allen Einzelheiten.

Worte können die Trauer und den Schmerz nicht fassen, die der Amoklauf des 17-jährigen jungen Mannes mit sich brachte. Viele Stimmen waren zu hören, die sagten "Jugend von heute!" Gab es diesen Ausspruch nicht schon immer? Und gab es das Phänomen dieser Verzweiflungshandlung, die wir Amok nennen nicht auch schon seit dem es Menschen gibt?
Ich will in keinster Weise diese Handlung relativeren. Ich will nur ein bisschen gegen diese popularistisch, hysterischen Stimmen sprechen und vor allem hinterfragen, wie man solche Handlungen verhindern kann. Gibt es nicht überall Menschen, in der Schule, im Büro, im Geschäft usw. die derart gemobbt werden, dass sie beinahe Amok liefen? Gibt es nicht überall Menschen, die von anderen jahrelang erniedrigt und diskriminiert werden, denen psychischen Grausamkeit angetan wird?
Ich frage mich, wo kann ich aufmerksamer sein, um zu merken, wenn ich einen Menschen erniedrige, schneide und nicht wirklich anerkenne.
Wo muss ich mich einmischen, wenn ich sehe, dass ein Mensch von anderen psychisch oder auch körperlich misshandelt wird. Es gibt so viele kleine und große Grausamkeiten, täglich und im Grunde überall.
Wie kann jeder Einzelne von uns das Leben so gestalten, dass es menschlicher und wärmer ist?
Soziale Wärme und Anerkennung braucht jeder Mensch, darin sind wir alle gleich. Die Warung unserer Würde ist im Grundgesetz verankert. Laßt uns also daran arbeiten, sie auch in den Alltag zu verankern.
Daher sehe ich auch meine Arbeit im Kinder-und Jugendprojekt NeuSehLand wichtig und sinnvoll an. Wenn solche Katastrophen geschehen, bin ich erst einmal sprachlos, fassungslos und wie gelähmt. Angesichts der Schrecklichkeit erscheint dann solch ein Projekt wie NeuSehLand als lächerlich. Aber nein, viele kleine Tropfen auf den heißen Stein bewirken eben doch etwas. Davon bin ich überzeugt. Und deswegen ist die Arbeit an der eigenen Menschlichkeit so wichtig und ebenso auch die Angebote, die wir in NeuSehLand den Familien, Kindern und Jugendlichen machen. Denn alle haben zum Ziel, die wunderbare Originalität, Kreativität des Einzelnen zu fordern und zu fördern und ein warmes Miteinander zu unterstützen.

Auf dass wir gemeinsam eine Welt kreieren, die warm ist und in der sich alle Menschen geborgen und aufgehoben fühlen können und kranke Menschen ein Milieu der sozialen Heilung erleben dürfen.